Fast in den Lenker gebissen

Guten Mutes: Thomas Oberli (links) und Dirk Pauling vor der Schlussetappe. Guten Mutes: Thomas Oberli (links) und Dirk Pauling vor der Schlussetappe. Boschendal, 100 Meter vor der Ziellinie. Boschendal, 100 Meter vor der Ziellinie. Oberlis Kommentar zu diesem Bild: "Irgendwie froh – aber solche Sonnenuntergänge werden wir vermissen!" Oberlis Kommentar zu diesem Bild: "Irgendwie froh – aber solche Sonnenuntergänge werden wir vermissen!"

Von der vornehmen Zurückhaltung, mit der Thomas Oberli und Dirk Pauling bisher jeweils in die Etappe starteten, war am Samstag nichts mehr zu spüren. „Eins, zwei, drei, los und hart fahren“, erklärt Oberli die Taktik. „Das heisst: Wir haben von Anfang an fast in den Lenker gebissen und uns nicht geschont.“ Wichtig, denn die Streckenführung war ebenfalls keine Schonung für die Fahrer. Gleich zu Beginn galt es mehrere giftige Aufstiege zu bewältigen; sie führten durch ein Weinbaugebiet.

Dass das Team bike2help.ch gut im Rennen liegt, merkten Pauling und Oberli spätestens, als sie zum führenden Mixed-Team aufschlossen. „Auch sonst sahen wir Leute, die wir eher nicht kannten oder jeweils erst kurz vor dem Etappenziel eingeholt hatten, wenn es wirklich gut lief“, so Oberli. Das Resultat war entsprechend: Platz 70 im Etappenklassement insgesamt und Rang 12 bei den Masters. Oberli dazu: „Es ist schon noch erstaunlich. Das Niveau ist extrem hoch. Wir sind mit Vollgas gefahren, und elf Teams waren noch schneller als wir!“

Schon 164 Teams out

Auf der anderen Seite gab es auch einige, die weniger schnell waren oder gar ausschieden. Die Zahl jener Teams, die nicht mehr im Rennen sind, ist auf 164 angestiegen. Vielleicht lags auch am Wetter, denn in der Nacht auf Samstag hatte es geregnet. Tagsüber war es dann zwar trocken und auch von der Temperatur her angenehm zu fahren – Oberli leerte nur einen Camelback –, aber vor allem in der ersten Abfahrt war der Untergrund matschig und glatt. „Die Pneus drehen, es wird fast unbefahrbar, und es kommt zu vielen Stürzen“, beschreibt Oberli.

Besonders in sich hatte es eine weitere Abfahrt, in der es eine Holzbrücke zu überqueren galt. Oberli sah vor ihm ein Frauenteam stürzen und entschloss sich kurzerhand, die Brücke zu Fuss zu überqueren. Zu Recht: „Ich wäre auch so fast hingefallen!“ Später hörte er von vielen Teams, welche die Brücke zu befahren versucht hatten – alle gingen zu Boden. So bleiben Pauling und Oberli weiterhin fit und sind auch ohne technische Probleme unterwegs: Sie hatten noch keinen einzigen Platten und auch sonst keine Schwierigkeiten.

Erkältung vollständig weggesteckt

Oberli stellt ausserdem fest, dass er immer besser in Form kommt. Erstmals konnte auf der sechsten Etappe Dirk Pauling am Ende nicht mehr ganz mithalten. Die starke Erkältung, welche Oberli vor drei Wochen heimgesucht hat, scheint überwunden. „Es ist erstaunlich, wie sich der Körper erholen kann. Damals hätte ich keine einzige Etappe fahren können“, sagt er mit Blick zurück. Indes habe Pauling bisher ein Riesenrennen gezeigt. „Er hat immer die Löcher zugefahren.“

Noch 84 Kilometer…

Jetzt folgen als Schlussbouquet noch 84 Kilometer mit vergleichsweise moderaten 1200 Höhenmetern nach Meerendal. Dann ist das Rennen vorbei. Oberli: „Wir werden nochmals versuchen, aufs Tempo zu drücken und die Platzierung zu halten.“ In Zahlen: Rang 15 bei den Masters und Platz 79 im Gesamtklassement zu verteidigen. Vor allem wollen die beiden bike2help.ch-Athleten aber heil ins Ziel kommen und das Rennen sicher zu Ende bringen. Oberli wird das letzte Teilstück möglicherweise mit einer GoPro-Kamera festhalten. „Mal schauen, ob sie hält…“

Die Kraft ist noch da, das Renndress für die letzte Etappe ist bereit! "Ein riesiges Dankeschön an unsere Familien, Verwandten, Freunde und Sponsoren, die uns während sieben Tagen getragen und unsere Charities unterstützt haben", schreibt Oberli.

Die Kraft ist noch da, das Renndress für die letzte Etappe ist bereit! "Ein riesiges Dankeschön an unsere Familien, Verwandten, Freunde und Sponsoren, die uns während sieben Tagen getragen und unsere Charities unterstützt haben", schreibt Oberli.