Spuren des Kampfes im Sattel: Dirk Pauling zeigt die Schürfwunde, die er sich am ersten Tag zugezogen hat. Thomas Oberlis Beine sind von Büschen zerkratzt. Spuren des Kampfes im Sattel: Dirk Pauling zeigt die Schürfwunde, die er sich am ersten Tag zugezogen hat. Thomas Oberlis Beine sind von Büschen zerkratzt.

„Wieder ein Tag mehr um“, sagt Thomas Oberli. Es wird klar: Er leidet. Nicht, weil das Zeitfahren über 39 Kilometer und 1400 Höhenmeter eine unüblich harte Etappe war. Sondern weil er geschwächt ist. Im Fahrerfeld grassiert ein Magen-/Darm-Virus, der die Teams gleich reihenweise zur Rennaufgabe zwingt. „130 sind schon draussen“, sagt Oberli. Dehydriert. Und nach der heutigen Zieldurchfahrt sagte er selber zu seinem Teamkollegen Dirk Pauling: „Das war’s. Ab morgen musst Du alleine weiterfahren.“ Er habe den Punkt nicht mehr gesehen, weshalb er sich das noch weiter antun sollte.

 

Heiss sei es gewesen – rund 40 Grad in gewissen Aufstiegen. „Am Morgen konnte ich Nahrung zu mir nehmen“, blickt Oberli zurück. „Aber nach einer halben Stunde kam der Hammermann wieder, und ich brachte nichts mehr runter. Die beiden benötigten 2:42 Stunden bis ins Ziel.

 

Am Nachmittag stand für Oberli eine Massage an, danach ging er ins Medizelt. Dort wurde ihm eine Infusion gesteckt; „danach ging es mir besser.“ Und durch die Infusion kehrte auch die Willensstärke zurück. Aufgeben wird Oberli jedenfalls nicht. Er probiert, die zwei Tage noch über die Runde zu bringen.

 

Die morgige Etappe steht unter dem Fun-Motto; es wird viele Single-Trails geben. Oberli: „Fun wird es für mich sicher sein, wenn der Magen ruhig bleibt.“ Sonst werde es schwierig, überhaupt durchzukommen. 76 Kilometer mit 2000 Höhenmetern bedingen eine Riesenleistung. Die Strategie wird sein, das Rennen langsam anzugehen, nicht zu pushen. „Das Ziel ist das das Ziel“, sagt Oberli.  Fest steht: Dieses Epic sei für ihn das härteste, das er jemals gefahren sei. „Hart fahren ist auch hart, aber man fühlt sich im Ziel ganz anders als wenn man halb krank ist und sich von einem Tag in den anderen retten muss.“ Immerhin: Oberli und Pauling befinden sich nach wie vor im Mittelfeld, obschon sie bei Weitem nicht voll fahren können. Spass mache es so aber nicht.

 

Martin Studer fühlt sich derweil wieder besser. Auch ihn hat der Magen-/Darm-Virus erwischt. Nach zwei Tagen war er aber wieder auf dem Damm. Er und Marco Wegmann werden den Rest des Rennens noch geniessen.