Im Ziel! Thomas Oberli (links) und Dirk Pauling fahren in Meerendal ein.

Im Ziel! Thomas Oberli (links) und Dirk Pauling fahren in Meerendal ein.

Zum Schluss ein dorniger Weg

Dornen im Pneu – aber die Luft war nicht draussen! Dornen im Pneu – aber die Luft war nicht draussen!

„Wir sind durchgekommen ohne körperliche oder mechanische Probleme“, freute sich Thomas Oberli im Ziel. Die Kraft hatten er und Dirk Pauling auf den letzten 84 Kilometern von Stellenbosch nach Mehrendal liegen lassen. „Wir fuhren wiederum eins, zwei, drei los“, so Oberli. Der Weg war dabei im doppelten Sinne dornig: „Wir sind wirklich hart gefahren und sogar zu den führenden Profi-Frauen aufgeschlossen“ – also zu Crosscountry- und Marathon-Weltmeisterin Sabine Spitz (De) und ihrer Partnerin Yana Belomoina (Ukr). Diese waren nicht weniger als fünf Minuten vor bike2help.ch gestartet. Und dann waren da auch noch die richtigen Dornen: Ungefähr zehn davon steckten im Ziel in Oberlis Pneu. „Ich weiss nicht, wie das geht, dass hier noch Luft drin war“, lachte er. Aber sie war es noch. Auch den sechs vorangehenden Etappen hatte er nur zwei dieser Devil's Thorns – sie sehen ein wenig aus wie Teufelshörner – eingefangen.

Aber eben: „Es war einfach nur hart – eine extreme Grenzerfahrung“, sagt Oberli. Die beiden führenden Frauen waren nämlich so schnell, dass Oberli und Pauling den Kontakt verloren, das Loch dann aber alleine wieder zufuhren. Trotz Wind.

Und dann verloren sich die beiden bike2help-Fahrer kurzzeitig auch noch aus den Augen. Oberli: „Bei einem Wasserposten hielt ich an, sah Dirk aber nicht mehr. Da dachte ich, er sei schon durchgefahren.“ Oberli schloss zur vor ihm liegenden Gruppe auf, Pauling war aber nicht in dieser Gruppe. „Ich bekam etwas Angst, weil ich in der vergangenen Woche viele Situationen gesehen habe, in denen ein Fahrer seinen Teamkollegen suchte.“ bike2help.ch hatte aber Glück: Oberli wartete, Pauling holte ihn bald ein. Er hatte beim Wasserposten kurz sein „besoin naturel“ erledigen müssen, sodass er für Oberli nicht mehr sichtbar war.

Grossartige Bilanz

Mit der Rennbilanz ist Oberli sehr zufrieden. „Rangmässig ist es auch am Schlusstag wieder super gelaufen, und insgesamt auch.“ Schneller zu fahren, sei schwierig, ausser er würde sein Arbeitspensum reduzieren und noch mehr trainieren. Beachtlich daran ist insbesondere Oberlis Erholung. Noch vor drei Wochen wäre es für ihn undenkbar gewesen, überhaupt aufs Velo zu steigen. Eine Bronchitis machte ihm das Leben schwer. Jetzt hat er zum vierten Mal das Ziel des Cape Epic erreicht. Das spricht für seine Fahrtechnik – Oberli selber sieht aber auch ein gewisses Rennglück. „Ich habe viele Schweizer gesehen, die Magenprobleme hatten und aufgeben mussten. Andere konnten einfach nicht mehr.“ Es brauche manchmal nicht viel, und dass man das Ziel erreiche, sei daher nicht selbstverständlich. „Was wir hier machen, ist abartig.“

Jetzt ist Erholung angesagt

Jetzt wollen Oberli und Pauling noch die Zeit in Südafrika geniessen. Dazu gehört ein Aufenthalt bei der Gastfamilie und der Besuch des Cape Leopard Trust sowie einer anderen wohltätigen Organisation, die bike2help.ch unterstützt: Qhubeka. Übrigens: Ein Sohn der Gastfamilie will am Montag unbedingt mit Oberli auf die Pumptrack. „Mal sehen“, lacht er. „Vielleicht wird es auch Dienstag.“ Erst einmal ist nämlich ein bisschen Erholung angesagt.

Wobei Pauling und Oberli auch gespannt sein dürfen, wie ihr Körper auf die veränderten Bedingungen reagiert. Eine Woche lang standen sie immer um 5 Uhr morgens auf und ernährten sich zu einem guten Teil von Powerbars und Gels. Jetzt ist die Zeit da, das gute südafrikanische Essen zu geniessen.

Weitere Teilnahme nicht ausgeschlossen

Fest steht für Oberli aber, dass er eine weitere Teilnahme am Cape Epic nicht ausschliesst. „Die Frage ist, was das Ziel ist“, sagt er dazu. „Will ich schneller sein, will ich einfach durchkommen, oder will ich mehr Geld für wohltätige Zwecke mobilisieren?“ So oder so sei die Leistung der vierten Teilnahme schwierig zu überbieten. Auf jeden Fall bleiben die Erinnerungen an die vierte Teilnahme: Die gute Stimmung im Schweizer Lager und die gemeinsamen Essen mit den Landsleuten, die atemberaubende Landschaft und die unglaublichen Leistungen.

Das Bild im Ziel: Wäre da nicht der Staub im Gesicht, würde man Thomas Oberli (links) und Dirk Pauling die Strapazen der vergangenen Woche gar nicht ansehen.

Das Bild im Ziel: Wäre da nicht der Staub im Gesicht, würde man Thomas Oberli (links) und Dirk Pauling die Strapazen der vergangenen Woche gar nicht ansehen.